2006

Fußball WM 2006 in Deutschland

„Die Welt zu Gast bei Freunden“ – so lautete das treffliche Motto der Fußball WM-Endrunde 2006 in Deutschland. Der Name war Programm, das Land und seine Leute erwiesen sich als exzellente Gastgeber und erschufen ein neues, positives Bild des Deutschen im Ausland. In sportlicher Hinsicht verteilte die DFB-Auswahl jedoch keine Geschenke. Lehmann, Lahm, Klose & Co sicherten sich gegen das Team der Portugiesen einen vortrefflichen und vorher kaum für möglich gehaltenen dritten Platz und sorgten zumindest für ein kleines Happy End im deutschen „Sommermärchen“. Was wäre wohl gewesen, wenn man im Halbfinale gegen die Italiener nicht in den letzten Minuten noch zwei Tore kassiert hätte? Eine Schande war es indes nicht, gegen die Azzurri auszuscheiden. Gegen Materazzi, Grosso und Kollegen gab es bei dieser Endrunde kaum ein Vorbeikommen.

Im Finale des Turniers bekamen dies auch die Franzosen zu spüren, die zuvor sensationell die Samba-Kicker aus Brasilien ausgeschaltet hatten. Allerdings bedurfte es schon einer roten Karte gegen Super-Star Zinedine Zidane, der bei seinem letzten WM-Turnier noch einmal sein großartiges Können aber auch seine Unbeherrschtheit aufblitzen ließ, um den etwas glücklichen aber keineswegs unverdienten Titelgewinn sicherzustellen. Im gesamten Turnierverlauf hatte die „Squadra Azzura“ lediglich einen Gegentreffer aus dem Spiel heraus hinnehmen müssen – weltmeisterlich!

Weitere positive Akzente setzen die offensiv auftrumpfenden Australier, die mit viel Pech ausgeschiedenen „Elefanten“ aus der Elfenbeinküste und auch die Exoten aus Trinidad und Tobago, die den Schweden zum Turnierauftakt ein 0:0 abtrotzten, was bei den Fußballwetten im Nachhinein sicher als die größte Sensation der WM 2006 bezeichnet werden kann.

WM zum zweiten Mal nach 1974 in Deutschland

Zum zweiten Mal nach 1974 wurde 2006 eine WM-Endrunde in Deutschland ausgetragen. 32 Mannschaften hatten sich für das Turnier qualifiziert, das in 12 Stadien in 12 verschiedenen Städten ausgetragen wurde.

Deutschland in der Vorrunde souverän

Zunächst mussten sich die besten 16 Nationen in insgesamt acht Vorrunden-Gruppen für das Achtelfinale qualifizieren. Deutschland eröffnete das Turnier in München mit einem 4:2-Sieg über Costa Rica und begeisterte die Zuschauer mit Offensivfußball. Auch in den weiteren Gruppenspielen gegen Polen (1:0 ) und Ecuador (3:0) blieb das Team von Teamchef Jürgen Klinsmann ohne Punkteverlust.

Das schafften sonst nur Brasilien, Spanien und Portugal, die damit ebenfalls souverän als Gruppensieger in die K.o.-Phase einzogen. Auch die Mitfavoriten Argentinien, die Niederlande, England, Italien und Frankreich erreichten die Runde der letzten 16.

Somit blieb die Vorrunde ohne nennenswerte Überraschungen. Lediglich das Ausscheiden von Kroatien (das sieglos blieb) und Tschechien (trotz eines 3:0-Auftaktsieges über die USA) entsprach nicht ganz den Erwartungen. Auch Südkorea – 2002 bei der Heim-WM Vierter – blieb in den Gruppenspielen auf der Strecke.

Deutschland bezwingt Schweden und Argentinien

Die deutsche Mannschaft ließ sich auch im Achtelfinale nicht außer Tritt bringen und setzte sich nach zwei frühen Toren gegen Schweden mit 2:0 durch. Dagegen musste Argentinien gegen Mexiko hart kämpfen, und setzte sich erst in der Verlängerung mit 2:1 durch. Auch England und Italien mühten sich als Favoriten gegen Ecuador bzw. Australien zu knappen 1:0-Siegen.

Ebenfalls mit 1:0 kämpfte Portugal in einer emotionsgeladenen Partie die Niederlande nieder und in einem weiteren Spitzenspiel mussten sich die davor so souveränen Spanier den Franzosen mit 1:3 geschlagen geben und schieden einmal mehr als Titelkandidat vorzeitig aus. Souverän dagegen Brasilien mit 3:0 gegen Ghana, während die Schweiz nach einem 0:0 der Ukraine im Elfmeterschießen unterlag.

Im Viertelfinale waren die Ukrainer gegen die im Turnierverlauf wieder immer stärker werdenden Italiener chancenlos und verloren 0:3, während Frankreich nach den Spaniern auch Brasilien eliminierte.

Dramatisch verlief das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Argentinien. In einem Duell auf Augenhöhe stand es nach 120 Minuten 1:1. Im Elfmeterschießen setzten sich die Deutschen schließlich durch. Ebenso wie Portugal gegen die Engländer, die zum wiederholten Mal vom Elfmeterpunkt scheiterten.

Italien beendet „Sommermärchen“

Im Halbfinale gegen Italien sollte das „Sommermärchen“ der deutschen Auswahl seine Fortsetzung finden, aber die cleveren Azzurri hielten die DFB-Auswahl in Schach und schlugen in den letzten beiden Minuten der Verlängerung zwei Mal eiskalt zu. Frankreich qualifizierte sich durch einen 1:0-Sieg über Portugal ebenfalls für das Endspiel.

Im Spiel um Platz drei siegte die deutsche Mannschaft in Stuttgart gegen Portugal mit 3:1, was die Enttäuschung über den verpassten WM-Titel aber nicht wettmachen konnte.

In einem turbulenten Finalspiel im Berliner Olympiastadion zwischen Italien und Frankreich stand es nach 19 Minuten durch Tore von Zidane und Materazzi bereits 1:1. Diese beiden Spieler waren auch die Hauptakteure des Spiels. Zidane reagierte – im letzten Spiel seiner Karriere – auf Beleidigungen des Italieners mit einem spektakulären Kopfstoß und wurde ausgeschlossen. Der Spielstand blieb nach 120 Minuten unverändert, aber im Elfmeterschießen setzte sich Italien mit 5:3 durch. Der Franzose Trezeguet traf mit seinem Schuss nur die Latte. Italien holte sich nach 1934, 1938 und 1982 zum vierten Mal den Titel.