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Deutsches WM Quartier „Campo Bahia“ soll Ende April stehen

Knapp zweieinhalb Monate vor dem Start der Fußball-WM in Brasilien befindet sich das deutsche Quartier „Campo Bahia“ immer noch in der Bauphase. Ende April soll das 14.000 qm große Luxus-Ressort an der brasilianischen Nordostküste endlich stehen. Von dort sind die drei Austragungsorte der deutschen Gruppenspiele, Salvador de Bahia, Fortaleza und Recife in weniger als zwei Fahrstunden erreichbar. Die kurzen Anfahrtswege sind für die deutsche Elf sicher von Vorteil, schließlich herrscht in der Region ein tropisches Klima, während der WM sind Temperaturen um die 30 Grad Celsius und eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erwarten.

Campobahia Map

Grafik oben: Deutschland wird während der Fußball WM 2014 im „Campo Bahia“ Quartier beziehen. Die Anlage an der brasilianischen Nordostküste liegt in unmittelbarer Reichweite der Austragungsorte für die Spiele der Vorrunde. Bildquelle: campobahia.de

Gleich zu Beginn wartet mit Portugal der stärkste Gruppengegner

Was die Auslosung der Gruppengegner betrifft, kann sich die deutsche Mannschaft ebenfalls nicht beklagen. Mit Portugal, Ghana und den USA warten in der Gruppe G durchweg lösbare Aufgaben. Selbst vor WM-Mitfavorit Portugal muss sich die DFB-Elf nicht fürchten, schließlich hat sie noch nie gegen Christiano Ronaldo und Co verloren, seit 2006 zogen die Portugiesen bei großen Turnieren gleich dreimal in den Kürzeren. Insofern ist das Auftaktspiel gegen Portugal am 16. Juni in Salvador de Bahia durchaus als gutes Omen zu werten. Jogi Löw muss sich allerdings etwas einfallen lassen, um „CR7“ zu stoppen, der Superstar von Real Madrid spielt derzeit in der Form seines Lebens und kann an guten Tagen jede Hintermannschaft im Alleingang zerlegen.

Auch Ghana ist für die DFB-Elf ein alter Bekannter

Das zweite Gruppenspiel wird am 22. Juni in Fortaleza stattfinden. Gegner Ghana ist ein alter Bekannter, bereits bei der WM 2010 stand man sich in der Vorrunde gegenüber. Damals ging es um Alles oder Nichts und die DFB-Elf konnte sich dank eines Treffers von Mesut Özil mit 1:0 durchsetzen. 2010 war Ghanas Kevin-Prince Boateng der meistgehasste Spieler der deutschen Fans, mittlerweile ist sein Tritt gegen Michael Ballack vergessen und seit er bei Schalke spielt hat er viele Sympathien zurückgewonnen.

Ghana wird wieder ein gutes Kollektiv auf den Platz schicken und versuchen über den Kampf ins Spiel zu finden. Deutschland sollte mit seinen spielerischen Möglichkeiten aber keine Probleme haben die Partie zu gewinnen.

„Gipfeltreffen der Bundestrainer“ im abschließenden Gruppenspiel

Das abschließende Gruppenspiel gegen die USA am 26. Juni in Recife steht unter ganz besonderen Vorzeichen. Zum ersten Mal seit der Heim-WM-2006 werden sich Jogi Löw und Jürgen Klinsmann als Trainer gegenüberstehen. Berti Vogts wird als frischgebackener Berater der Amerikaner das große „Gipfeltreffen der Bundestrainer“ komplettieren. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Amis aus dem Insiderwissen von Vogts und Klinsi einen Vorteil ziehen können. Eventuell müssen sich die Fans auf eine stark taktisch geprägte Partie einstellen. Wie schon gegen Ghana sollte sich aber am Ende die spielerische Qualität der DFB-Elf durchsetzen.

Fußball-Experten rechnen mit einem klaren Gruppensieg von Jogis Jungs, die damit im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe H treffen würden. Dort kämpfen die Teams von Russland, Belgien, Algerien und Südkorea um die beiden Aufstiegsplätze. WM-Geheimfavorit Belgien dürfte sich hier vor Russland durchsetzen, damit käme es im Achtelfinale zu einem deutsch-russischen Duell. Sollte die deutsche Mannschaft das Viertelfinale erreichen, würde sie auf den Ersten der Gruppe E (Frankreich, Ecuador, Schweiz, Honduras) oder den Zweiten der Gruppe F (Argentinien, Bosnien-Herzegowina, Iran, Nigeria) treffen. Ein Kräftemessen mit der Equipe Tricolore ist also durchaus wahrscheinlich. Ein Duell mit Argentinien wäre ebenfalls möglich, aber nur wenn die Gauchos wider Erwarten den Sieg in der Gruppe F verfehlen. Mehr zu diesem Szenario und allen anderen wahrscheinlichen oder weniger wahrscheinlichen Varianten des Turnierverlaufs findet man z.B. hier.

Kommt es im Halbfinale neuerlich zum Duell mit Angstgegner Italien?

Frühestens in der Vorschlussrunde könnte die DFB-Elf auf Gastgeber Brasilien, Angstgegner Italien oder Titelverteidiger Spanien treffen. Alles in allem eine günstige Auslosung, dem Vorstoß ins Halbfinale sollte nichts im Wege stehen, mit etwas Glück könnte Deutschland auch nach der WM-Krone greifen.

Nach dem Confed Cup ist vor der WM: Brasilien 2014 rückt immer näher!

Viele Jahrzehnte musste sich Südamerika gedulden, bis es den ganz großen Fußball wieder einmal unmittelbar vor der eigenen Haustür zu sehen bekommt: 36 Jahre nachdem die Argentinier das Heim-Turnier für ihren ersten Titel zu nutzen wussten, macht sich nun der benachbarte Fußball-Riese aus Brasilien für den Empfang der weltweit besten Kicker bereit. Der diesjährige Confed-Cup hat jedoch vor allem auch die Vorfreude bei den demnächst gastierenden Mannschaften geweckt: Auf die Gastgeber kommt dagegen noch einiges an Arbeit zu, bis man sich dann auch am Zuckerhut ganz vorbehaltlos auf das erhoffte Sommermärchen freuen kann.

Der Confed Cup entwächst den Kinderschuhen

Zum größten Gewinner der WM-Generalprobe ist zunächst jedoch einmal der FIFA-Konföderationen-Pokal selbst zu küren. Haftete dem Confed Cup in der Vergangenheit stets der Ruf einer gleichermaßen lästigen wie überflüssigen Pflichtveranstaltung an, ist er nunmehr auf dem besten Wege, sich einen unverzichtbaren Platz im Terminkalender der kontinentalen Siegermannschaften zu verdienen. Neben der zumeist stimmungsvollen Kulisse, haben vor allem die Partien Lust auf eine Neuauflage im Jahr 2017 gemacht – abgesehen von den hochklassigen Aufeinandertreffen der hochdekortierten Favoriten, trug dabei auch das hoffnungslos unterlegene Tahiti seinen Anteil dazu bei, dass das Turnier seinen unverwechselbaren Charme erhielt.

Maracana Stadion

Das Maracana Stadion nach dem Umbau im April 2013 – bereit für den Confed Cup 2013 sowie die Fußball WM 2014 – Quelle: wikimedia.org

Während sich der Ozeanienmeister jedoch erwartungsgemäß als dankbarer Punktelieferant erwies, nutzten die Spitzenmannschaften die selten gute Möglichkeit, sich unter Wettkampfbedingungen über ihren tatsächlichen Leistungsstand zu vergewissern: Das Ausbleiben von größeren Sensationen ließ dabei erkennen, dass die WM-Vorbereitung bei den großen Titelkandidaten längst im fortgeschrittenen Stadium angekommen ist. Mit Brasilien, Spanien, Italien und Uruguay stieß exakt jenes Quartett in die Vorschlussrunde vor, das von den Kennern bereits vor dem Turnierbeginn im Vorteil gesehen worden war: Die in den direkten Duellen immer wieder zu konstatierende Leistungsdichte kündigt dabei auch für die nächstjährige Weltmeisterschaft eine äußerst dramatische Millimeterentscheidung an.

Brasilien setzt sich unter Druck

Wenn sich im Sommer 2014 dann zudem auch noch so prominente Namen wie Deutschland, Argentinien und Holland mit aussichtsreichen Chancen um den WM-Titel bewerben, muss der Kampf um die spanische Nachfolge somit als völlig offen erscheinen; lediglich für die Gastgeber ist derzeit gesetzt, dass es in dem sich ankündigenden Heimspiel eigentlich nur einen Sieger geben kann. Haben die brasilianischen Fans ohnehin schon von jeher einen Großteil sämtlicher Hoffnungen und Wünsche auf ihre Selecao projiziert, wird der kommende Sommer nun erst recht ganz im Zeichen des sechsten WM-Erfolges stehen – der Confed Cup bot der Mannschaft nur einen sehr kleinen Vorgeschmack darauf, welcher Erwartungsdruck schon bald auf den eigenen Schultern lasten wird.

Dass sich Elf von Felipe Scolari in den vergangenen Tagen teils in deutlich verbesserter Verfassung präsentierte, könnte Neymar & Co in einigen Monaten sogar zum Nachteil gereichen, schließlich ist die eigene Anhängerschaft nun erst recht vom Gelingen der weltmeisterlichen Mission überzeugt. Beobachtern mit etwas objektiverer Brille konnten dagegen auch beim Confed Cup nicht die gelegentlichen Probleme bei der Spielgestaltung entgehen: Insbesondere in den knappen Matches schien das unbedingte Siegen-Müssen ein gewaltiger Hemmschuh gewesen zu sein.

Sollte sich das junge brasilianische Ensemble an der Herausforderung seines Lebens die Finger verbrennen, könnte dann gut und gerne ein benachbartes Land von der nationalen „Katastrophe“ profitieren. Selbst wenn in Europa bisweilen der etwas hochklassigere Ball vermutet wird, dürften die kontinentalen Gegebenheiten doch eine besondere Trumpfkarte für die Teams des CONMEBOL zu sein. Nicht von ungefähr ist bei den vier bisherigen Weltmeisterschaften in Südamerika noch nie einem europäischen Vertreter der große Wurf geglückt: Beim Konföderationen-Turnier taten sich nun namentlich die Italiener – den zumeist moderaten Temperaturen zum Trotz – mit der hohen Luftfeuchtigkeit schwer.

Viele Stadien sind bereit – die Anhänger noch nicht

Jenseits des sportlichen Schlagabtauschs hat der Confed Cup natürlich auch ein wenig Klarheit über den Stand der sonstigen WM-Vorbereitungen gebracht: Infrastrukturell scheint Brasilien für die Weltmeisterschaft deutlich besser gerüstet zu sein, als dies angesichts der regelmäßig verlautbarten Horror-Meldungen der vergangenen Monate über chaotische Zustände auf den Baustellen zu befürchten gewesen war. Auch wenn natürlich noch allerorten geschraubt und gewerkelt wird, fand der Confed Cup doch bereits in feierlich herausgeputzten Schmuckkästchen statt – nun stehen die Organisatoren lediglich noch in der Pflicht, einen großen Teil der eigenen Landsleute von den Vorzügen des geplante Sommerfestes zu überzeugen.

Für viele Außenstehende kam es ziemlich überraschend, dass große Massenproteste die Schlagzeilen des Mini-Turniers bestimmten: Immerhin wird den fußballverrückten Brasilianern hierzulande gerne unterstellt, dass diese für eine gelungene Weltmeisterschaft so manche Zumutung klaglos auf sich nehmen. Die lautstarken Unmutsbekundungen haben nun unmissverständlich deutlich gemacht, dass sich das Giganten-Projekt Weltmeisterschaft nicht gegen die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft richten darf. Da sich die Wut darüber bereits beim Confed Cup entlud, bleiben den Verantwortlichen nun noch knappe elf Monate, um so manchen Fehlentwicklungen doch noch beherzt entgegenzutreten.